Kunst am Bau

Jenny Holzer LED-Lichtinstallation »Du« Atrium HDI-Platz 1 Talanx AG, Hannover 2014

Du, 2014 © 2014 Jenny Holzer, member Artists Rights Society (ARS), NY Photo: Martin Bühler
Du, 2014
© 2014 Jenny Holzer, member Artists Rights Society (ARS), NY
Photo: Martin Bühler

Die US-amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer (*1950 in Gallipolis, Ohio
Studium an der Ohio University und der Rhode Island School of Design, lebt und arbeitet in Hoosick Falls, New York) http://www.jennyholzer.com/ arbeitet in den Medien Installation, Text, Plakat, Sound, Video, Lichtprojektion, Internet sowie Malerei und realisiert die meisten ihrer Ideen im öffentlichen Raum. Dieser wurde zum Forum ihrer literarischen und oft stark politischen Texte, die sie auf T-Shirts, Werbeflächen, Parkbänken, Hochhäusern oder im Internet platziert. Ihre Arbeit ist zum Einen durchaus medienkritisch, indem sie auffordert, Werbebotschaften nicht unreflektiert auf sich einwirken zu lassen. Zum Anderen wirbt sie gleichzeitig für die Anerkennung neuer Kommunikationsformen, die sie als Künstlerin nutzt, um ihre eigenen Botschaften möglichst effektiv zu übermitteln.
Für das großzügige Atrium des Neubaus der Talanx AG am HDI-Platz 1 in Hannover, entworfen von Ingenhoven Architects, hat die Künstlerin eine ortsspezifische Installation entwickelt:

Über zwei schmale vertikal hängende Elemente, die im Atrium installiert werden, läuft ein Text in Leuchtschrift, teils parallel, teils alternierend. Die Trägerscreens, auf denen der LED-Text fließt, sind etwa 1 m breit und 15,8 m, bzw. 21,8 m lang und sollen rechtwinklig zueinander ausgerichtet werden. Die kürzere von beiden hängt vom Eingang aus links im Empfang, ausgerichtet in Blickrichtung der Mitarbeiterkantine herab, die längere direkt vis à vis vom Eingangsbereich mittig über einem in den Boden eingelassenen Wasserbecken, so dass der Spiegeleffekt des Wassers zum Tragen kommt.

Es laufen Texte der Künstlerin über die LED-Bänder, die sie aus verschiedenen, selbst erstellten Textquellen („Truisms“, „Living“) programmiert wurden. Die Aussagen sind zu plakativen Essenzen eingedampfte Aussagen aus „Volkes Mund“ über Gott und die Welt, die die Künstlerin über Jahre gesammelt und umformuliert oder auch selbst geschrieben hat. Diese Aussagen sollen Denkanstöße und Diskussionsstoff liefern und geben nicht die Meinung der Künstlerin wieder, sondern spiegeln die Meinung der Allgemeinheit über alle möglichen Fragen des Seins in der zeitgenössischen Gesellschaft.

Zusätzliche formalästhetische Komponente der Arbeiten von Holzer ist die Rhythmisierung des Lichtflusses: Die Worte laufen in der Regel vertikal über die LED-Träger, einzelne Buchstaben/Worte werden manchmal wiederholt eingeblendet und der Fluss stoppt kurz, oder – umgekehrt – das Tempo beschleunigt sich. Der Licht- und damit der Informationsfluss wird ähnlich wie beim Einsatz von LEDs in Werbedisplays oder ähnlichen Kontexten z.B. durch mehrfaches „Aufblinken“ der Worte unterbrochen – analog zu Methoden zur Erregung von Aufmerksamkeit, die der Betrachter aus dem alltäglichen städtischen Umfeld kennt.

 

Michael Craig-Martin CORIAN®-Intarsien-Wandinstallation Mitarbeitercasino HDI-Platz 1 Talanx AG, Hannover 2013

Michael Craig-Martin, Corian®-Installation, Mitarbeitercasino Talanx AG Hannover, 2013 © Der Künstler
Michael Craig-Martin, Corian®-Installation, Mitarbeitercasino Talanx AG Hannover, 2013
© Der Künstler
Michael Craig-Martin, Corian®-Installation, Mitarbeitercasino Talanx AG Hannover, 2013
Michael Craig-Martin, Corian®-Installation, Mitarbeitercasino Talanx AG Hannover, 2013

Der irische Künstler Michael Craig-Martin hat ein Kunstwerk aus dem hochwertigen Kunststoff CORIAN®für die Stirnwand des Mitarbeiterrestaurants im Neubau der Talanx (von Ingenhoven Architects) entworfen. Insgesamt 28 bis zu 3,50 hohe Teilstücke bebildern in einer Gesamtlänge von 44,5 Metern die fünf Sinne Hören, Tasten, Sehen, Schmecken und Riechen. Der Künstler beaufsichtigte persönlich die Fabrikation des Kunstwerks beim Hersteller CREA DIFFUSION in Frankreich: Die vorgeformten Corian-Intarsien wurden in die Grundfläche eingepasst und verleimt. Der 1941 geborene Ire ist in den USA aufgewachsen, hat am Yale College studiert und lebt in London. Er unterrichtete lange Jahre am renommierten Goldsmith College und gilt als einer der einflussreichsten lebenden Kunstprofessoren Großbritanniens, sein berühmtester Schüler ist Damien Hirst. Das Werk des Künstlers ist geprägt von der Farblehre von Josef Albers – und vom britischen Hang zum Understatement: In den frühen Jahren arbeitet Craig Martin zunächst sehr konzeptionell, Ende der 70er bildet er den für ihn so typischen äußerst grafischen und starkfarbigen Zeichenstil aus, der auch seinen Entwurf für Hannover kennzeichnet. Seither hat er international zahlreiche Werke im öffentlichen Raum realisiert, die immer unmittelbar auf den Kontext eingehen. 2008 verwendet der Künstler erstmalig das Material Corian bei einem Projekt für die European Investment Bank in Luxemburg: In der Intarsientechnik vereint er ein altes Fertigungsverfahren mit einem hochmodernen Material. Seine klare künstlerische Sprache und hohe farbliche Raffinesse und Leuchtkraft erzeugen Werke von intensiver sinnlicher Qualität. Im inhaltlichen Bezug auf Alltag und Umgebung bieten die Kunstwerke Michael Craig-Martins dem Betrachter trotz des hohen Grades an Abstraktion viele Identifikationsmöglichkeiten, wie der Künstler im nachfolgrenden Interview beschreibt:

Which considerations are underlying your proposal for the artwork? Why do the five senses play a central role in it?

Which challenges did it mean to create an artwork especially for the context of a restaurant for the employees of a company and which criteria you had to take account of?

The business that ultimately will be conducted in the building will be highly abstract, conceptual, in the head: numbers and words on countless computer screens. The only place where people will exercise their full physicality will be in the Casino, eating, talking, socialising. I want my artwork to remind people of the world outside their heads, to be a celebration of our experience of the physical world through our five senses. Naturally for me as an artist sight is the most important of the senses, and I have placed it at the centre of the wall.

What does speak in the favour of the material CORIAN®?

I believe that the most striking characteristic of the new building will be its transparence. Its principal materials are glass and reflective metals. There are few solid walls in the building, and that in the Casino is the longest and most prominent. I decided to make a work in direct contrast to the rest of the building: a work that is opaque, warm, and highly colourful, full of images, letters, words – voluptuous. Corian is a modern material with many unique and attractive qualities that is normally used for mundane purposes such as kitchen counters. It has an attractive surface quality, is extremely strong and can be easily cleaned.

What I have done here is combine this modern material with the ancient  technique of inlaid marquetry. Panels of magenta were etched out and the coloured sections inlaid. The colour is imbedded, not just on the surface. Most of the colours I have used are not commercially available and were produced to my specification by DuPont . The robust qualities of Corian are of course ideal for a work that is part of dining room used by hundreds of people every day. It is an important work to me. I hope it gives pleasure to those who see it.

Michael Craig-Martin, August 2011 http://www.michaelcraigmartin.co.uk/

 

Jens Wolf  »Ohne Titel«, Wandarbeit Konferenzzone Constantin Höfe Atradius Kreditversicherung, Köln 2007

Entwurfsvisualisierung Gestaltung Atradius Constantinhöfe Köln, 2007 ©Jens Wolf
©Kai Bertenrath (Visualisierung) Courtesy: Galerie Nosbaum & Reding, Luxembourg
http://www.nosbaumreding.lu/en/artistes/expositions/9/jens-wolf

Jens Wolf, geboren 1967 in Heilbronn, lebt und arbeitet in Berlin. Der Künstler arbeitet bei seinem emanzipierten Umgang mit dem kanonisierten Formenvokabular von Minimal Art, Geometrischer Abstraktion und sog. „Hardedge“-Malerei der 50er und 60er Jahre immer mit inszenierten Brüchen. Sie machen durch bewusst vorgenommene Zerstörungen des Farbauftrages und kleine Irregularitäten deutlich, dass es sich nicht um unfreiwillige Beschädigungen oder „Abnutzungserscheinungen“ handelt, sondern um beabsichtigte Manipulationen des Künstlers – eine emanzipierte und kritische Auseinandersetzung mit den kunsthistorischen Vorbildern.

Für den Konferenzbereich des Unternehmens wurde eine Bemalung eines Wandstreifens von 0,36 auf 19,7 m rechterhand und, damit korrespondierend, eines entsprechend proportionierten Bandes auf der Wand im Foyer links vor dem Eingang zur Konferenzzone realisiert. In den farblichen Grunddominanten Schwarz, Weiß und Orange wurde zunächst eine formal sehr strenge und reduzierte Komposition in der Tradition minimalistischer Farbfeldmalerei angelegt, die dann durch gezielte Eingriffe wieder dekonstruiert wurde.

Zielsetzung des Entwurfs war es, den Vorraum und die Konferenzzone in einer dynamischem Gestaltung optisch zu verbinden, über die Kunst eine Art Leitsystem in den Raum hinein zu schaffen, einen visuellen Flow zu erzeugen, der in allen Varianten der Raumnutzung funktioniert: Da die Komposition überall gleichwertig und nicht hierarchisch angelegt ist, garantiert sie eine in allen räumlichen Konditionen wirkungsvolle Ansicht, egal, ob die bemalte Zone vollständig sichtbar gemacht ist oder durch die Trennwand im großen Raum unterbrochen wird. Ihr kontinuierlicher „Drive“ lässt sie wie einen Ausschnitt aus einer gedanklich unendlich fortsetzbaren Linie durch den unendlichen Raum erscheinen: Eine Art Rallyestreifen durch die „Denkräume“ des Unternehmens.

Die Arbeit bewegt sich einerseits in einer auch weniger kunstinteressierten Betrachtern vertrauten Bildsprache, die sich im Kontext eines der Repräsentation dienenden und gleichzeitig Konzentration erfordernden Arbeitsumfeldes elegant und unaufdringlich in die räumliche Atmosphäre einfügt. Andererseits liefern die Werke durch die gezielten formalen Brechungen Anreiz zur Auseinandersetzung und erzeugen eine interessante Spannung, die sie deutlich von konventionellen Dekorelementen abgrenzt.

 

Jan Scharrelmann »Inna Heights« Außenplastiken Lichthof Constantin Höfe Atradius Kreditversicherung, Köln 2006

Jan Scharrelmann, Inna Heights, Epoxidharz und Pigmente, 2007 ©Der Künstler
Jan Scharrelmann, Inna Heights, Epoxidharz und Pigmente, 2006 ©Der Künstler
Jan Scharrelmann, Inna Heights, Epoxidharz und Pigmente, 2007 ©Der Künstler
Jan Scharrelmann, Inna Heights, Epoxidharz und Pigmente, 2006 ©Der Künstler
Jan Scharrelmann, Inna Heights, Epoxidharz und Pigmente, 2007 ©Der Künstler
Jan Scharrelmann, Inna Heights, Epoxidharz und Pigmente, 2006 ©Der Künstler

Das plastische Ensemble „Inna Heights“ von Jan Scharrelmann (geb 1975, lebt und arbeitet in Köln, Courtesy Galerie Hammelehle & Ahrens, http://haah.de/artists/jan-scharrelmann) besteht aus drei Epoxidharzskulpturen, die den Lichthof des Geschäftsgebäudes eines Kölner Versicherungsunternehmens gemeinsam in einer Rauminszenierung bespielen. Die Installation besitzt sowohl von der Straßensicht aus als auch im Umgang um den Hof sowie aus den oberen Stockwerken betrachtet, tagsüber wie nachts Wirkung.

Zwei farblich kühlere Elemente mit blauschwarzer Grundtönung kontrastieren mit einem leuchtend orangerot pigmentierten, dessen strahlende Farbintensität noch durch zusätzliche Beleuchtung erhöht wird und so auch bei Dunkelheit eine intensive Leuchtkraft bis zur Straße entfalten wird.

Einer der drei trapezförmigen Winkel wurde in einer Hängekonstruktion angebracht und bleibt abhängig von den thermischen Verhältnissen innerhalb des Hofes stetig leicht in Bewegung.

Die Pigmentierung des Materials bildet unterschiedlich dichte Farbschlieren, so dass es innerhalb jeden Elementes zu mal transparenten, mal undurchsichtigen Zonen kommt, was der Oberfläche zusätzlich zu ihrer, dank der Gusstechnik unregelmäßigen Haptik bildhaften Charakter verleiht. Die spiegelnde Harzhaut ist zum einen als Membran des Übergangs zwischen »innerer« und »äußerer« Weite erfahrbar, zum anderen scheint sie die organischen und auch spirituellen Energien der archaischen Naturmaterie zu bewahren und zu versiegeln. Im Angesicht dieser Membran und im Mitleben ihrer Bewegungssuggestionen gewahrt der Betrachter auch sein eigenes Bild und gewinnt ein neues, von der Plastik reflektiertes Bild der Geschehnisse im Ausstellungsraum. In seiner Gespiegeltheit ist der Raum – trotz aller plastischen Dynamik – der Realität weitgehend enthoben und in eine primär visuelle Erscheinung verwandelt: Sichtbarkeit und Greifbarkeit der Dinge treten auseinander. Das Resultat ist die Empfindung einer Ort- und Schwerelosigkeit, einer Unbestimmbarkeit in Hinsicht auf den eigenen Standpunkt und die eigene räumliche Entfaltung. Im Passieren der Skulpturen kommen – je nach Blickwinkel – immer wieder andere Ansichten zur Geltung und die formalen Korrespondenzen zwischen den einzelnen Elementen führen einen ständigen variierenden Dialog untereinander und mit dem wechselnden Licht. Außerdem ergeben sich so besonders von der Hauptansicht, der Straßenseite, reizvolle Staffelungen und Verwinkelungen.

Die Arbeit belebt den Kern der Firmenräume im Empfangs- und Konferenzbereich, der täglich nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch von Gästen frequentiert wird. Die im Material verwendeten Pigmente haben natürlichen Ursprung und sollen im tatsächlichen wie übertragenen Sinne ihre »heilende« und energiespendende Wirkung im Kontext des Arbeitsumfelds entfalten.